Anselm Bilgri Unterschrift

„Geld unterliegt im Laufe unseres Lebens der Inflation,
der Wert der Zeit dagegen steigt. Wer rechtzeitig umwechselt, gewinnt.“
(Christian Schütze, Teurer Rohstoff Zeit)

 

 

24.07.08 18:31 Alter: 5 yrs

Wo bleibt die Münchner Brautradition?

Kategorie: Kolumne

 

Seit Wochen geistert durch die Medienlandschaft der Versuch der brasilianisch-belgischen Brauereigruppe InBev, die größte US-amerikanische Brauerei Anheuser-Busch zu übernehmen. Mit dem erhöhten Angebot an die Aktionäre ist deren Bangen um den Erhalt eines nationalen Lebensmittelsymbols geschwunden. Damit entsteht ein gigantischer Brauereiriese, der auf dem gesamten Globus seine wirtschaftlichen Aktivitäten entfaltet. Was mich als Münchner Bürger und ehemaligen Brauherrn traurig macht: mit welcher Selbstverständlichkeit in den Berichten von den beiden Münchner Traditionsbrauereien Löwenbräu und Spatenbrauerei als Teilen dieses neuen Global Players geschrieben wird.

Ganz nebenbei verweisen die Journalisten auch auf Paulaner und Hacker-Pschorr, die dem holländischen Heineken Konzern zugezählt werden. Ursprünglich ging es bei den Anteilsverkäufen um strategische Partnerschaften in Produktion und Vertrieb. Inzwischen scheinen diese vier Brauhäuser zu bloßen Filialen ausländischer Kapitalgesellschaften degradiert worden zu sein. Die Braustätten bleiben, betriebswirtschaftlich sinnvoll zusammengelegt, innerhalb der Umfriedung der Landeshauptstadt. Damit kann das Recht, auf dem Oktoberfest Bier auszuschenken, nicht angetastet werden.

Trotz des Kampfes gegen die Bemühungen von drei Umlandbrauereien, die Wiesn mit ihrem königlichen, klösterlichen oder in Familienverantwortung gebrauten Bier zu bedienen, lässt es viele Münchner kalt, dass es nur noch zwei Brauereien gibt, die auch von in der Stadt ansässigen Institutionen geführt werden: Hofbräu und Augustiner. Leider haben es die Brauherrn zur rechten Zeit versäumt, angesichts des wachsenden ausländischen Drucks eine gemeinsame Gesellschaft aller Münchner Brauereien ins Leben zu rufen. Auch nicht die einflussreichste Lobby-Gruppe in der Stadt, der Verein Münchner Brauereien, konnte dafür den Boden bereiten.

Globalisierung hat eine beobachtbare Folge: Die Sehnsucht nach regionalen Besonderheiten, mit denen man sich heimatlich verbunden weiß, nimmt zu. Vielleicht werden, in naher oder ferner Zukunft, neue kleine Brauhäuser aus dem Boden wachsen, die echte Münchner Brautradition mit der erforderlichen Kreativität verbinden. Auch Anheuser-Busch hat einmal ganz klein angefangen!