Anselm Bilgri Unterschrift

„Geld unterliegt im Laufe unseres Lebens der Inflation,
der Wert der Zeit dagegen steigt. Wer rechtzeitig umwechselt, gewinnt.“
(Christian Schütze, Teurer Rohstoff Zeit)

 

 

01.07.09 15:08 Alter: 1 yrs

Das rechte Maß im Überfluss

Kategorie: Kolumne

 

In unserer Überflussgesellschaft verfügen wir über ein verlockendes Nahrungsangebot. Die Folgen sind zum Teil schwerwiegend: Nach Angaben der Süddeutschen Zeitung wächst die Zahl übergewichtiger Erwachsener und Kinder stetig - auf der anderen Seite leiden etwa zwei Prozent der Bevölkerung, vor allem junge Frauen, an Essstörungen wie Magersucht oder Bulimie. Der Überfluss lässt sich genauso am Inhalt der Mülltonnen ablesen. Jedes Jahr werfen die Deutschen Lebensmittel im Wert von 500 Millionen Euro in den Abfall.

Uns ist offenbar der Sinn für das rechte Maß im Umgang mit der Nahrung abhanden gekommen. Maßhalten ist für Aristoteles die „Mutter aller Tugenden“, sie vermeidet die Extreme des Zuviel und Zuwenig. Das rechte Maß finden wir durch rechtverstandene Askese. Das griechische Wort „askeo“ heißt „üben“. Askese ist also ein Training: Man übt das rechte Maß ein. Gerade in Bezug auf Essen und Trinken wird deutlich, dass Askese nicht nur ein sauertöpfisches Verzichten und Beschränken meint, sondern ein Bemühen um das Maß, das mir und meiner Umwelt gut tut. Nur dadurch werde ich fähig zu genießen.

Genuss wiederum braucht Zeit und Raum. Ist der Tisch schön gedeckt und der richtige Rahmen dazu gewählt – wenn also auch in der beschränkten Zeit des Business Lunch der Weg nicht zur nächsten Stehbar im Imbiss führt - können wir diesen so wichtigen Lebensvollzug, die Nahrungszufuhr, gesund und genussvoll gestalten.
Dazu gehören: die Besinnung auf das heimische, von den Jahreszeiten bestimmte Angebot; Zeiten des Verzichts in Abwechslung mit Festzeiten, wie sie etwa durch religiöse Fast- und Feiertage angeregt werden; gesunde, ressourcenschonende Kost; die Freude am kreativen Selbstkochen; ein den tatsächlichen Bedarf und Verbrauch kalkulierendes Einkaufsverhalten; und die Wiederentdeckung der Resteverwertung. All das und mehr trägt dazu bei, eine rechte Balance im Umgang mit den Lebensmittelressourcen zu finden und damit eine nachhaltige und dauerhafte Einstellung gegenüber dem Essen und Trinken zu gewinnen. 

Der Nestlé-Konzern hat in einer aktuellen Studie das Ernährungsverhalten der Deutschen untersucht und die Ergebnisse im Buch "So is(s)t Deutschland" mit zahlreichen Gastbeiträgen veröffentlicht:

http://www.nestle.de/Home/Unternehmen/NestleStudie/