„Geld unterliegt im Laufe unseres Lebens der Inflation,
der Wert der Zeit dagegen steigt. Wer rechtzeitig umwechselt, gewinnt.“
(Christian Schütze, Teurer Rohstoff Zeit)
Anselm Bilgri wird am 19. November 2012 auf den Betriebsrats-Tagen in München sprechen. Erstmalig...
Dieser Tage haben sich die Vorsitzenden der fünf Bundestagsfraktionen auf einen gemeinsamen Gruppenantrag zur Förderung der Organspende geeinigt. In Zukunft werden alle Erwachsenen in regelmäßigen Abständen von ihrer Krankenversicherung angeschrieben und auf die Organspende aufmerksam gemacht. Ob sie das beigelegte Auswahlformular ausfüllen oder nicht, bleibt ihnen überlassen. Diese Art der Konfrontation mit dem Thema nennt sich die “Entscheidungslösung“. Auch die Kirchen haben sich positiv zu diesem Mittel geäußert. Die Organspende ist eine Tat der Nächstenliebe über den Tod hinaus. Den Kirchen ist wichtig, dass die Freiwilligkeit gewahrt bleibt, es darf niemand zur Spendung gezwungen werden, die Unversehrtheit des Leibes – auch des Toten ist ein hohes Gut. Trotzdem bleibt ein leises Unbehagen. 70 % der Bevölkerung finden Organspende gut, aber nur 20 % sind bereit, einen Ausweis auszufüllen. Das klingt ein bisschen nach dem Floriansprinzip: Es ist sehr gut, wenn ich ein Organ brauchen sollte, aber wenn es mich betrifft (als potentiellen Spender- nach dem Tod!) lieber nicht. Natürlich sind alle Dinge, die mit dem Tod – vor allem dem eigenen – in Zusammenhang stehen, mit Ängsten verbunden, die ernst zu nehmen sind. Ist man wirklich tot, wenn alle Organe funktionieren und nur das Hirn als tot anzusehen ist? Stehen hinter dem ganzen nicht finanzielle Interessen der Transplantationsmedizin? Ernstzunehmende Fachleute versuchen diese Ängste mit guten Argumenten zu entkräften und plädieren für die Widerspruchslösung, die in einigen anderen Ländern schon praktiziert wird, mit dem Ergebnis, dass dann genügend Organe zur Verfügung stehen: Man muss im Ausweis oder falls nicht vorhanden, müssen es die Angehörigen tun, ausdrücklich der Organentnahme widersprechen. Gerade Angehörige sind in der Phase der unmittelbaren Todesnähe oder Trauer mit einer Zustimmungslösung überfordert, davon können Ärzte wie Seelsorger und Psychologen ein Lied singen. In diesem Fall ist die Entscheidung, Nein zu sagen die leichtere.
Wie auch immer: Der ethische Minimalkonsens aller Kulturen ist die Goldene Regel in ihrer positiven Fassung: Alles was du willst, das mit dir geschehen soll, sollst du bereit sein, auch anderen zu geben. Kurz: Wie du mir, so ich Dir! Wenn ich mir dieses Gebot, in dem Jesus das „ganze Gesetz und die Propheten“ zusammengefasst sieht, zu Herzen nehme, ist es Christenpflicht, die Bereitschaft zur Organspende zur eigenen Haltung zu machen. Die Kirchen wären gut beraten, ihre etwas wachsweiche Stellungnahme zu überdenken und die Widerspruchslösung zu propagieren.